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    Archiv für April 2011

    Sexuell aktive Individuen weisen eine doppelt so hohe Lebenserwartung auf als abstinente Artgenossen. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um Philip Dammann und Hynek Burda der Universität Duisburg-Essen.

    Untersucht wurde die afrikanische Graumulle. Die Wissenschaftler hoffen, mit ihren Ergebnissen die Alterungsforschung voran zu bringen. Tierexperimente sind üblich in der Alterungsforschung. Häufig wird an Mäusen getestet. ‚Graumullen sind Säugetiere, sie leben lange, sie leben wie Menschen in langfristigen sexuellen Bindungen‘, erklärt Dammann im Gespräch mit pressetext.

    Den Wissenschaftlern nach ist von Vorteil, dass die Graumulle das ganze Jahr über Sex hat. Sie ist nicht an Brunftzeiten oder an den Eisprung des Weibchens gebunden. Die Mullen sind außergewöhnlich, denn sexuelle Aktivität ist im Tierreich keine ungetrübte Freude: ‚Die Risiken und physiologischen Kosten der Fortpflanzung sind bei vielen Arten so hoch, dass eine starke Aktivität meist eher negativ auf die Lebenswartung wirkt‘, sagt Dammann.

    Anders bei der afrikanischen Nagetier-Art: Sexuell aktive Tiere können über 20 Jahre alt werden, die abstinenten Koloniegenossen höchstens acht bis zehn. Selbst wenn die Lebensbedingungen ansonsten identisch sind. Außergewöhnlich sind die Graumullen auch deshalb, weil sie feste Bindungen eingehen. ‚Ich gehe nicht davon aus, dass das Graumullen-Männchen sein Weibchen liebt, aber wenn sie sich gefunden haben, bleiben sie auch zusammen‘, sagt Dammann.

    Die psychische Komponente sei nicht so stark ausgeprägt wie beim Menschen. Getestet wird daher nur die Biologie der Tiere. Die Graumullen haben alle die selben Gene – genau wie Menschen auch. Bei der Gruppe, die sich fortpflanzt und langsam altert, analysierten die Wissenschaftler, welche Gene aktiv werden. ‚Wir haben 30.000 Gene, die sind nicht immer aktiv.‘ Welche Gene aktiv oder inaktiv sind, könne einen Hinweis darüber geben, welche Gene auch beim Menschen zur langsameren Alterung beitragen. Es bleibt jedoch noch zu erforschen, ob die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind.